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 Betreff des Beitrags: Die Einbahnstraße von Klaus Kordon - Mein erfundenes Ende
 Beitrag Verfasst: So 13. Jun 2010, 18:12 
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Registriert: Mi 9. Jun 2010, 15:52
Beiträge: 1
Wohnort: Baden-Württemberg
Hi,

Ich würde euch gerne mein Ende dieses Buches schreiben. Es war ein Aufsatz in der Schule. Die Aufgabe lautete: Schreibe einen Tagebucheintrag, in dem Inga ihr Leben Revue passieren lässt. Welche Gedanken gehen ihr dabei durch den Kopf?
Bin gespannt, was ihr davon haltet.
Das Buch ist nicht so bekannt, aber ich hoffe, es sagen mir hier trotzdem paar Leute, was sie von diesem Tagebucheintrag und allgemein von dem Buch halten :D



Liebes Tagebuch,
In letzer Zeit ist so vieles passiert. Eigentlich war mein ganzes Leben nur eine traurige Geschichte. Es begann erst so richtig mit Rolf. Es ist schon ewig her, aber ich kann mich noch sehr gut an diese Sache erinnern. Ich wollte eigentlich nur richtige Freunde haben. Ich fühlte mich allein! Doch bald geriet ich an einen Jungen namens Rolf. Mein Vater nannte ihn asozial. Er verbat mir den Umgang mit ihm, hielte mich aber nicht daran und somit wurde ich von meinem eigenen Vater geschlagen! Warum konnte er mich nicht verstehen? Ich habe doch auch ein Recht auf Freunde! Das hat mich ziemlich fertig gemacht. Doch das Schlimme kommt erst noch. Rolf nahm Hasch, also Drogen. Anfangs war ich strickt dagegen, aber als ich die Angebote für ein Internat sah, war es um mich geschehen. Ich packte meine Sachen und fuhr mit Rolf, in den ich mittlerweile sehr verliebt war, mit nach Bremen, Hamburg und Hannover.
Ich wollte immer mehr Drogen. Deswegen musste ich klauen gehen, um mir das finanzieren zu können. Sogar auf den Strich musste ich gehen. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn man es nicht schon selbst erlebt hat. Mich hat es geekelt, runtergezogen, erniedrigt. Ich hatte leider keine Wahl.
Eines Tages aber kam ich ohne Stoff zu Rolf. Er brüllte mich an, trat und schlug mich. Ich hielt es einfach nicht mehr aus. Ich ging solange auf den Strich, bis ich genug Geld für einen "goldenen Schuss" zusammen hatte. Ob es nun Pech oder Glück war,-das Shore war nicht rein. Ich wurde in eine Entzugsklinik gesteckt, die der reinste Horror war. Es war einfach eine Qual für mich.
Klar, dass wir dann umzogen. Meine Eltern wollten mich nicht wieder mit Drogen in Berührung kommen lassen, also ab nach B., wo ich meine nächste Liebe traf. Andy. Er hat mich nicht im Stich gelassen. Nicht einmal, als er erfuhr, dass ich (wieder) Drogen nahm! Er erzählte seinen Freunden das nicht, um mich zu schützen. Leider aber ist ein Freund von ihm, namens Charly uns gefolgt, als wir mit unserem Dealer Ali nach Bremen fahren wollten. Ali packte ihn in das Auto und wollte ihn an einem Waldstück rauswerfen. Ich ließ das aber nicht zu und so nahmen wir ihn mit nach Bremen zu Kutte und seiner Truppe. Auch dort mussten wir klauen und auf den Strich gehen, um Geld für Stoff zu besorgen. Charly wartete aber nur vor dem Kaufhaus auf uns. Eigentlich wollte er uns ja nur helfen. An erster Stelle Andy. Obwohl Andy ihn vernachlässigte gab Charly nicht auf. So einen Kumpel hätte ich damals auch gebraucht. Dann wäre das ganze nicht geschehen. Aber ich musste ja so dumm sein und abhauen, als Andy bewusstlos von Ali niedergeschlagen wurde. Ich wünschte, ich könne mich bei meinem Liebsten entschuldigen, denn das tut mir einfach so unheimlich Leid. Es tut mir im Herzen weh, mir vorzustellen, dass er jetzt vielleicht im Krankenhaus liegt oder sonst was! Es ist alles meine verdammte Schuld! Wäre ich damals nicht an Rolf geraten, wäre ich damals nicht so labil gewesen, dann gäbe es diese ganze Scheiße nicht! Ich wünschte, ich könnte Andy einen Brief schreiben, indem ich mich bei ihm bedanken kann. Für alles. Für seine Liebe, seine Nähe, sein Vertrauen. Aber auch bei Charly müsste ich mich bedanken. Was wäre ohne seine Hartnäckigkeit passiert? Dann wäre Andy jetzt genauso drogenabhängig wie ich. Ich hätte ihn unbewusst noch tiefer reingezogen. Zum Glück war das nicht der Fall.
Ich denke immer daran, was es eigentlich bringt, Drogen zu nehmen, zu saufen oder rauchen. Das zerstört einen doch nur. Aber an mir selbst sehe ich, dass man sich dagegen nicht wehren kann. Man ist einfach hilflos und ein Entzug bringt auch nichts! Man sieht es ja an mir. Dadurch habe ich nur noch mehrere und härtere Drogen genommen. Ich fühle langsam, wie ich zerbreche. Meine Liebe zu Andy ist zwar noch da, aber ansonsten fühle ich gar nichts mehr. Nur noch Leere in mir. Das ist einfach unbeschreiblich. Aber ich weiß schon lange, dass meine Seele schon seit geraumer Zeit tot ist. So verrückt es sich auch anhört, aber es stimmt. Für mich hat das Leben keinen Sinn mehr. Warum war das Shore damals nicht rein?! Warum hat Gott mich am Leben gelassen?! Um mich leiden zu sehen??
Das Blatt ist schon ganz duchnässt von meinen Tränen. Trauer empfinde ich also auch noch. Aber ich sehne mich nach Glück, Freude, ein normales Leben. Das war mir wohl nicht vergönnt.
Ich würde so gerne sterben und als Geist wieder aufstehen, um zu sehen, wer an meinem Grab steht! Es interessiert doch sowieso keinen, ob ich tot oder lebendig bin. Nur Andy. Er hat mir das Gefühl vermittelt, das mich spüren bzw. sehen lässt, dass es noch einen Menschen in dieser großen, weiten und verkommenen Welt gibt, der sich um mich sorgt. Er war der einzigste Lichtblick in meinem einsamen Leben. Der einzigste, dem ich etwas bedeutet habe, der einzigste, der mich je geliebt hat. Aber irgendwann ist man an einen Punkt gelangt, an dem es nicht weitergeht. Man will einfach alles wegschmeißen und ein neues Leben beginnen. Aber es geht einfach nicht! Man hat nur dieses eine Leben! Also sollte man auch etwas daraus machen! Nicht so wie ich. Schon als die Sache mit Rolf war und ich abgehauen bin, habe ich mit meinem Leben abgeschlossen. Es ist nur noch mein Körper, der lebt. Doch das wird nicht mehr lange so sein. Ich werde mir eine Überdosis verpassen.
Wenn jemand jemals diesen Tagebucheintrag lesen würde, würde er sagen, dass ich noch mein ganzes Leben vor mir gehabt hätte. Aber ich kann einfach nicht mehr. Ich hoffe, dass meine Lebensgeschichte eine Warnung ist und dass ich manche vor diesem schrecklichen Schicksal bewahren kann. Ich werde mein Tagebuch auf mein Grab legen lassen, damit es jeder lesen kann. Auf meinen Grabstein würde ich gern noch schreiben lassen: Narben auf dem Körper bedeuten, dass man gelebt hat und Narben auf der Seele bedeuten, dass man geliebt hat. Leider werde ich dazu nicht mehr kommen.
Ich zittere am ganzen Körper und meine Hände fühlen sich so kalt wie tot an. Mich friert es schrecklich.
Eines möchte ich noch sagen. Ich habe die Spritze mit der Überdosis die ganze Zeit über schon neben mir. Ich fühle, wie der Tod immer näher kommt. Das letze, was ich jetzt noch zu sagen habe ist: Andy, ich liebe dich.

R.I.P 2.8.1979


Sorry, falls Rechtschreibfehler vorhanden sind


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