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BeitragVerfasst: 20.01.2015, 20:21 
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Da ich das Buch bei einer Leserunde im Forum Büchereule gewonnen und gelesen habe, möchte ich vorab auch meine dort hinterlassenen Leseeindrücke hier eintragen. :tastatur:

Achtung! Im Folgenden ist der wesentliche Inhalt des Buches wiedergegeben! :schlau:
Das Buch wurde für die Leserunde in 4 Teile geteilt:
Seite 001-100

Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut. Titel und Cover fand ich interessant, so dass man nicht genau sagen kann, was einen erwartet. Besonders angetan war ich aber vom Klappentext, weil es offenkundig irgendwas mit DDR, Ossi und dergleichen zu tun haben würde. Immerhin bin ich auch einer und lese gern Bücher aus meiner und über meine alte Heimat.

Die Seitenzahl finde ich ansprechend, denn irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass ein Buch mit weniger als 300 Seiten gar nicht genug zu Erlebendes beinhaltet, weil man es viel zu schnell ausgelesen hat. :nein:

Das Buch ohne den Schutzumschlag finde ich sehr schön. Unterschiedliche und extravagante Schriften, besonders den Titel betreffend. Alles schön weiß mit einer starken Kontrastfarbe. Schick.

Die Schrift fand ich schon beim Durchblättern nicht besonders lesefreundlich. So schmal. Aber es liest sich dennoch ganz gut.

Die Geschichte startet ohne lange Vorrede gleich mit voller Geschwindigkeit. Am Anfang hatte ich noch nicht viel Meinung zu allem, die bildet sich erst so ab Seite 50 aufwärts. Noch - nach Erreichen von Seite 100 - bin ich unsicher, wo die Autorin mit dem Leser hin will. Da ist alles so offen...

Wie schon fast alle hier schrieben, ist auch mit Mathilda nicht besonders symphathisch. Natürlich kann man ohne feste Ziele antrieblos und in der heutigen Zeit beruflich gesehen auch ängstlich sein. Aber sie hält ja nicht einmal eine Minute ihre neu erdachten Ziele (die Liste zum neue Musik hören, anders kleiden etc.) durch, ohne gleich den nächstbesten Kerl zu nehmen. Als John "Hallo." sagte, hatte sie doch ihre Liste schon wieder vergessen.
Sie wirkt so emotionslos. Bezüglich der Männerwahl, aber auch mit ihren Freunden. Ab und an sind da Gedanken, wie es denen wohl geht. Aber es scheint sie nicht genug zu interessieren, dass sie richtig nachhakt und auch die Antwort wirklich aufnimmt. Besonders die Freundschaft mit Nina finde ich entsetzlich. Beide so... oberflächlich. Motzen sich vermutlich aufgrund der Unzufriedenheit mit sich selbst schnell gegenseitig an.

Insgesamt wirkt Mathilda auf mich eher wie 20, sprunghaft, unentschlossen und wie ihr schon sagtet: als würde sie abwarten und erwarten, dass andere für sie ein schönes Leben aussuchen und ihr helfen es zu finden.

Mit der Ziellosigkeit sehe ich aber manchmal mich selbst. Ich bin Jahrgang 1978, habe eine Ausbildung gemacht, von der ich heute nicht mehr weiß, welcher Teufel mich geritten hat. Hab dann auf Anraten meines damaligen Freundes ein Studium begonnen, welches ich toll fand. Das musste ich aber abbrechen (Umzug) und war nach 2-3 Jahren Studium auch nicht sicher, ob ausgerechnet ich Depp das schaffen kann. Alles andere hatte immer einen Grund, der dem Ganzen im Weg stand. Familientechnisch bin ich genau da, wo ich hin wollte. Beruflich habe ich ein großes Fragezeichen über dem Kopf, weiß aber nicht, was ich will. Und denke oft, das klappt sowieso alles gar nicht. Und außerdem bin ich schon 36.

Von daher bin ich trotz der Unsympathie zu Mathilda und der Art Oberflächlichkeit aller Charaktere im Buch neugierig, wie es weiter geht.

Ich finde diese... Nebensätze zu Händen und Füssen doof. Eklig. Unwichtig. Eingewachsene Fußnägel. Jemand reißt Hautfetzen von den Fingern... also neee. Zudem stand irgendwo, dass Mathilda mit ihren abgekauten Fingernägeln auf den Tisch trommelt. Das geht doch gar nicht, oder? Sorry, ich habs nicht so mit Nägeln und schon gar nicht mit Füssen. :help:


Seite 101-197
Ein bißchen "wärmer" werde ich nun auch mit Mathilda.

Insgesamt finde ich die Gespräche auch so abgehakt. Sie wirken zum einen super kurz, eben so in Echtzeit dargestellt. Wenn man dann aber die Bestellhäufigkeit neuer Getränke oder Nachfragen der Kellner betrachten, müssen doch viel mehr Minuten verstrichen sein. Das verwirrt mich immer wieder.

Warum erzählt sie denn Franzi (war doch Franzi?) beim Liebeskummer von Magnus? Der war doch die ganzen letzten Seiten nicht aktuell, sondern - im Gegenteil - John.

Die 100 Seiten sind aber nun schon hilfreicher zur Buchbindung, Bindung an den Hauptcharakter. Erst geht es noch auf der alten Schiene weiter. Als sie den Job beim Theater versucht und schon beim ersten körperlichen Einsatz starke Schmerzen hat, gesteht sie weder sich noch Teddy ein, dass sie es nicht schafft. Am Ende ist sie froh als er ihr die Entscheidung abnimmt. Hat sie Angst andere zu enttäuschen? Will sich selbst durch das Eingestehen der Schwäche nicht - wieder - enttäuschen?

Ganz oft fragt sie sich in dem Abschnitt - zumindest fällt es mir da noch deutlicher auf - "Warum bin ich nicht dies geworden?", "Warum hab ich das nicht gemacht?". Kann ich nur zu gut verstehen. Na, dann ab... Idee suchen und loslegen. Die Zeit läuft.
(Ja, zu mir selbst sag ich das auch, kriege mich aber nicht bewegt.)

Dass John fremd geht, vermutet sie doch nur? Als er so oft anruft, reagiert sie nicht. Das würde er doch sein lassen, wenn es so wäre, oder? Sie wird sich noch was kaputt machen mit ihrem Verstecken.

Das hat mich stutzig gemacht. Das ist auch oft mein Motto: "Wenn man nicht wusste, ob man die Antwort verkraftete, war es besser, keine Fragen zu stellen." Oha.


Seite 197-298
Dass Mathilda plötzlich vom Aktionimus gepackt ist, freut mich. Scheinbar "geht die Geschichte endlich in die Vollen". Sie wirft Möbel raus und streicht sogar, was ich der Schlaftablette (sorry) gar nicht zugetraut hätte. :zustimm:

Dann fährt sie auch noch weg, um den Kopf frei zu kriegen und besucht dabei auch das Dorf ihrer Oma, das ihr gut bekannt ist.

Aber der Ausflug währte nur eine Nacht. Gemachte Gedanken, so denn welche vorhanden waren, wurden dem Leser nicht mitgeteilt. Sie kommt nach Haus als wäre nichts und lebt den alten Trott weiter.

Ich war wirklich enttäuscht.

Was mir gut gefällt ist, dass die Kindheitserinnerungen immer deutlicher werden. Man kann die Kindheit nachvollziehen, wobei diese mit all den Erinnerungen vorher wirklich mehr Schlechtes als Gutes gehabt zu haben scheint. Überrascht hat mich hierbei, dass Nina vielleicht doch da auch keine gute Freundin war? Z.B. als sie den Jungen zu Mathilda schickte und draußen wartete. Seltsam.

Plötzlich ist Weihnachten (na, das ist ja ikmmer so) und Daniel und sie rücken näher. Wohnen zusammen, besuchen die Eltern an den Feiertagen... Aber mehr Einblick konnte man da auch nicht bekommen. Nur, dass er Wessi ist.

Wobei ich hier bei Kartoffelsalat und Würstchen eingreifen muss. Ich bin waschechte Brandenburgerin, LAND Brandenburgerin. Nix mit Wessi in irgendeiner Art oder so. Und bei uns gab und gibt es auch heute noch Kartoffelsalat und Würstchen am 24.12. Pffft.

:nana:


Seite 299-399
Ich dachte am Ende des vorherigen Abschnitts, dass nun Schwung in Mathildas Leben käme. Aber irgendwie... ist sie auf der schnellen Fahrt Richtung Zukunft wieder zum Stehen gekommen.

Sie macht irgendwie genauso weiter wie vorher. :roll:

Mich verwirrt ihr Wunsch, dass es mit Daniel klappt. Sie beschreibt nie, warum. Was sie an ihm schätzt oder ähnliches wird nicht deutlich. Es heißt immer nur, dass sie Angst hat, es geht kaputt. Sie ist auch wieder mißtrauisch und denkt, er hätte was mit einer anderen Frau.

Trotzdem wird John sehr oft erwähnt. Btw. dass der mal was mit Tatjana anfängt, dachte ich mir schon beim ersten Treffen der beiden.

Nina scheint sich jedenfalls gefangen zu haben. Vielleicht hätte sie die Hauptdarstellerin des Buches werden sollen? ;)

In diesem Abschnitt habe ich erwartet, dass es wieder nicht klappt, nur dieses Mal mit Daniel. Und das eigentlich Alex schon lang in sie verliebt ist und es sich nur nicht traut ihr zu gestehen.

Dass Franzi nicht mit dem Leben klar kommt, gehört gut mit in die Geschichte. Nina geht es gut und Franzi gerade nicht. So spielt das Leben und man sitzt mittendrin.

Aber ich hatte mir mehr für Mathilda erhofft.

Erst auf den letzten paar Seiten wird alles ein wenig deutlicher. Da fand ich die Beschreibung, dass zu DDR-Zeiten eigene Entscheidungen nicht erwünscht oder gar nicht möglich waren, gut. So lernen die Leute es eben auch nicht und sind dann vielleicht hifllos mit sich allein in der Welt. Doch wenn Mathilda 29 Jahre alt ist, das Buch 2004 spielt, dann war sie doch grad um die 15 Jahre alt. Da kann man hinsichtlich der Entscheidungen noch gar nicht so geprägt sein, oder? Trifft einen die Einschränkung in der DDR nicht erst als Erwachsener bzw. zur Studienzeit?

Ich weiß auch nicht. Irgendwie... verwirrend das Buch als Ganzes. Dies und jenes erwartet, teilweise anderes bekommen... Hm...

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Mein SuB 53 Bücher / 23.661 Seiten :lesen:
:lesen: Ich lese: "Frostseelen" von Natalie Speer

Gelesen 2015: 15 Bücher - 4.581 Seiten
Gelesen 2015: 40 Bücher - 16.203 Seiten
Gelesen 2014: 28 Bücher - 9.918 Seiten

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BeitragVerfasst: 20.01.2015, 21:54 
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Zum Inhalt:
Mathilda Unterwasser ist die Hauptdarstellerin dieser in Ich-Form erzählten Geschichte. Sie ist Ende 20 und weiß nicht recht wohin mit sich und ihrem Leben. Zusammen mit ihren Freunden, die sie seit Kindergartenzeiten kennt, meistert sie das Leben irgendwie. Jeder auf seine Art. Mathilda hatte die wildesten Berufswünsche als Kind, doch heute ist sie Kassiererin und das nicht mal gern. Ihr größter Wunsch war Kosmonautin zu werden wovon heute noch die Liebe zu Juri Gagarin und das All übrig sind. Sie stolpert unbeholfen durch das Leben.

Meine Meinung:
Das Buch startet vielversprechend mitten in Mathilda Unterwassers Leben. Sie ist in der DDR aufgewachsen, arbeitet an einer Supermarktkasse und ist mit ihrem Leben unzufrieden. Die aktuelle Beziehung scheitert, doch recht bald findet sich Ersatz. Doch scheint der Mann ihr nicht wirklich viel zu bedeuten, eher die Gewissheit nicht allein zu sein. Durch das ganze Buch zieht sich ihr chaotischer Charakter, der aber nie genau sagen kann was doof ist, wie es schöner wäre und was sie eigentlich will. Sicher weil sie selbst das nicht weiß.
Mathilda wirkt oberflächlich oder die Autorin zeigt sie nur in kurzen Stichpunkten, die in einer klaren Geschichte sicher doppelt so viele Seiten ergeben hätten. Auch Mathildas Umfeld wirkt oberflächlich oder zu verschlossen. Ich persönlich wurde mit allen Charakteren nicht richtig warm und wartete bis über die Hälfte des Buches auf den Startschuß für den eigentlichen Sinn hinter der Geschichte, der aber leider nie kam.

Besonders interessierte mich das Buch wegen seinem Bezug zur DDR, bin ich doch selbst ein Ossikind. Kurze Rückblenden geben einen minimalen Eindruck in das Leben früher und somit in Mathildas Erinnerungen. Wirre Träume um Juri Gagarin lassen vermuten, was Mathilda jeweils beschäftigt, aber auch hier wird der Leser irgendwie im Dunkeln gelassen.
Im letzten Drittel des Buch kommt etwas Fahrt auf und Struktur in Mathildas Zukunft, was aber alles schnell wieder einschläft.
Zum Ende hin hatte ich das Gefühl, dass auf den letzten paar Seiten die Moral der Geschichte ihren Platz finden sollte. Aber ich habe selbige wohl doch nicht ganz verstanden.

Insgesamt ist mir das Buch zu interpretierbar. Ich möchte lieber eine Geschichte, die mir viel erzählt und nicht ständig ein Fragezeichen über meinem Kopf schweben läßt. Gefesselt hat mich die Hoffnung auf ein Ende mit Aussage.
Es hat sich sehr schnell gelesen und war recht lebhaft. Für mich war es aber keine schöne Erzählsprache die Dialoge seltsam abgehakt.

Die vom Verlag vorhergesagte Tiefe der Charaktere und der Humor sowie die Situationskomik habe ich leider nicht gefunden.

Wertung: (5 Leselampen = sehr gut / 1 Leselampe = sehr schlecht)
:leselampe: :leselampe: (Da es doch zum Durchlesen animierte, ein wenig DDR-Feeling rüberbrachte, bekommt die Geschichte 2 Sterne.)

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