Habe gerade
Vollidiot von Tommy Jaud (Fischer; 7,95 €) durchgelesen.
Vollidiot.Tommy Jaud
Fischer (Tb.), Frankfurt 2006-02 Broschiert 280 SeitenIm Klappentext heißt es "Nicht alle Männer sind Idioten. Einige sind Vollidioten".
Das machte mich neugierig: Würde ich hier noch etwas Neues über meine Spezies erfahren? Kurzum: Nein! Hatte ich aber auch nicht wirklich erwartet...

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Jaud hat sich einen Namen u. a. als Headwriter für Anke Engelke gemacht - und genau darin liegt bereits das erste Problem: Ich mag Anke Engelke nur bedingt. Immer dann, wenn sie eher leisere Töne anschlägt, kann ich ganz gut über ihre Witze lachen - leider zieht sie überwiegend den "lauten Proll-Humor" vor...
Was das mit dem Buch zu tun hat? Nun: Mit dem verhält es sich genauso: Geniale Passagen mit eher subtilem, wunderbar schwarzem Humor werden plattgewalzt von platten Gags wie sie selbst mir vor 10 Jahren schon zu peinlich gewesen wären, als das ich sie erzählt geschweige denn aufgeschrieben hätte. Jaud hat da weniger Hemmungen - aber OK, der wird auch dafür bezahlt.
Zur "Handlung" nur soviel: Dargestellt werden ein paar Tage im Leben eines "Vollidioten": Single (inzwischen in Phase 4...), 29 Jahre alt mit lausigem Job usw. Hält sich selbst für den "großen Stecher" - nur dummerweise ist er wohl der einzige, der das so sieht... Egal, was er anstellt: Es geht grandios nach hinten los. Er tritt etwa - in der Hoffnung, dort Frauen zu treffen - einem Fitnessclub bei und merkt erst zu spät, dass er in einem angesagten Club für Homosexuelle (Männer) angeheuert hat... *bruharhar* (wie realistisch...). Auch sein Urlaub im Single-Club gerät natürlich zum Fiasko, obwohl (oder besser: weil) da sogar die Frau seiner Träume mit ihm schlafen möchte...
Solange Jaud bei all' den Episoden oder besser Eskapaden des Protagonisten halbwegs glaubwürdig bleibt, ist es ganz lustig - man kann sich (zumindest in Ansätzen) fast selbst in ihm erkennen, was ja normalerweise der Idealfall ist. Das aber kommt im Buch nur selten vor und ist m. E. dessen zweites großes Problem: So idiotisch wie Simon kann sich kein Mann anstellen (hoffe ich jedenfalls...). Vor allem gegen Ende des Buches gleitet Jaud vollends ins Kafkaeske ab, was hier ausnahmsweise mal nicht als Kompliment gemeint ist. Mehr will ich hier aber nicht verraten...
Klarer Vorteil des Buches: Da es sich sprachlich auf nicht allzu hohem Niveau bewegt, kann man es schnell mal zwischen Strand und Club (oder was auch immer) durchlesen, insofern eine gute, gelegentlich (m. E. leider zu selten) sogar wirklich witzige Semesterferienlektüre.